LSBTQIA+ Leitfaden

Dieser Leitfaden soll zu dem im Schulgesetz und im Landesantidiskriminierungsgesetz verankerten Diskriminierungsschutz der Schüler*innen speziell in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung, ihre Geschlechtsidentität und ihren Geschlechtsausdruck beitragen. Im Mittelpunkt des Leitfadens steht daher das Selbstbestimmungsrecht der Schüler*innen bezüglich dieser Merkmale. Der Leitfaden soll Lehrkräften als Orientierung dienen, wie sie dazu beitragen können, dass sich Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten jederzeit an der Nelson-Mandela-Schule wohl und willkommen fühlen können.

Unterstützung: Falls Mitglieder der Schulgemeinschaft Unterstützung rund um Fragen der Geschlechtsidentität benötigen, können sie sich schulintern an Kai Linke an der Sekundarschule (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und an Lex Kartanė an der Grundschule (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder extern an Queer Leben (professionelle Beratung: https://queer-leben.de/english/) oder Lambda (Peer-Beratung: https://www.lambda-bb.de/beratung/) wenden. Bei Beratungsbedarf zu sexueller Identität können sie sich schulintern an Christopher Langhans an der Sekundarschule (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und an Dino Antunovic und Tanya Mokdad an der Grundschule (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder extern an die Lesben- oder Schwulenberatung (professionelle Beratung: https://lesbenberatung-berlin.de/Beratung.html; http://www.sbberlin.info/post.php?permalink=erstberatung) oder an Lambda (Peer-Beratung: https://www.lambda-bb.de/beratung/) wenden.

Vorname und Geschlecht: Wenn Schüler*innen an der Schule einen anderen Vornamen und/oder ein anderes Geschlecht als die in ihrem Ausweis eingetragenen benutzen möchten, können sie (oder ihre Erziehungsberechtigten) sich an Dino Antunovic, Tanya Mokdad oder Lex Kartane an der Grundschule wenden (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder an Christopher Langhans oder Kai Linke an der Sekundarschule (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Wir beraten die Schüler*innen und informieren alle relevanten Stellen innerhalb der Schule über die Änderung des Vornamens und/oder Geschlechts. Da die Informationen zu Vorname und Geschlecht der Schüler*innen auf Klassenlisten und WebUntis leider nicht immer ganz aktuell sein werden, ist es hilfreich, wenn Lehrkräfte zu Beginn des Schuljahres oder wenn sie Schüler*innen neu kennenlernen auf altersangemessene Art und Weise in Erfahrung bringen, mit welchen Namen und Pronomen die Schüler*innen gerne angesprochen werden möchten und diese dann innerhalb der Schulgemeinschaft auch entsprechend den Wünschen der Schüler*innen verwenden.

Vertraulichkeit: Schüler*innen entscheiden grundsätzlich selbst darüber, ob und wie das Umfeld über ein Coming Out informiert wird. Sollten Schüler*innen explizit wünschen, dass ihre Erziehungsberechtigten nicht über die Änderung des Vornamens und/oder Geschlechts für den schulinternen Gebrauch oder über das Bestehen gleichgeschlechtlicher Beziehungen informiert werden, so besteht an dieser Stelle keine Informationspflicht seitens der Lehrkräfte. Die Schule kann jedoch die Vertraulichkeit von Namen und Pronomen, die im Schulalltag verwendet werden, nicht garantieren. 

Formulare: Auf allen schulischen Dokumenten, auf denen das Geschlecht eingetragen werden muss, werden alle vier in Deutschland amtlichen Varianten (m/w/d/o [=ohne Eintrag]) vorgesehen und es besteht die Möglichkeit, diese einzutragen.

Repräsentation im Unterricht: Bei der Behandlung der geschlechtlichen und sexuellen Entwicklung sollten Inter- und Transgeschlechtlichkeit, nicht binäre Geschlechtsidentitäten, Homo-, Bi- und Pansexualität sowie andere queere sexuelle Identitäten als gleichberechtigte Varianten zu Cisgeschlechtlichkeit und Heterosexualität behandelt werden. Dies ist besonders in der fachübergreifenden Sexualerziehung und beim sozialen Lernen von Bedeutung. In den Gesellschaftswissenschaften sollte nach Möglichkeit die Geschichte und Gegenwart der cis_hetero_sexistischen Unterdrückung von LSBTQIA+ Menschen sowie deren Emanzipationskämpfe behandelt werden. In den Sprachen und den musisch-künstlerischen Fächern sollten Werke von LSBTQIA+ Menschen behandelt werden und LSBTQIA+ Menschen sollten auch sonst in den Unterrichtsmaterialien angemessen repräsentiert sein. In den Sprachen sollten darüber hinaus linguistische Fragen der Geschlechtergerechtigkeit in der jeweiligen Sprache behandelt werden. In den Naturwissenschaften und in Mathematik können die Beiträge von LSBTQIA+ Wissenschaftler_innen als solche benannt werden. Bei all dem sollte darauf geachtet werden, einzelne Religionen, Weltanschauungen, oder Kulturen nicht als inhärent cis_hetero_sexistischer als andere darzustellen. Gleichzeitig sollte auch darauf geachtet werden, dass die Unterrichtsmaterialien die tatsächliche Vielfalt von LSBTQIA+ Menschen in Bezug auf andere Merkmale wie ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung, Behinderung, chronische Erkrankung, Alter, Sprache und sozialen Status widerspiegeln.

Sportunterricht (Grundschule): 

Im Unterricht
In den Sportgruppen der Grundschule und bei internen Sportwettbewerben ist es nicht notwendig, die Gruppen nach Geschlecht zu trennen. Die Bildung von Gruppen und Mannschaften nach Geschlecht sollte vermieden werden. Bei Schüler*innen, die in die Pubertät kommen, sollte die Angemessenheit von Kontaktsportarten geprüft werden. 

Umkleideräume
Die Schüler*innen sollten sich in den Räumen umziehen können, die ihrer eigenen Geschlechtsidentität am besten entsprechen. Für Schüler*innen, die sich nicht in Gruppenumkleiden umziehen möchten, sollte auf Anfrage eine private Umkleidekabine angeboten werden. Dies gilt auch für den Schwimmunterricht.

Falls Sportteams zu Sportstätten oder Wettkämpfen außerhalb der Schule reisen, muss im Voraus Kontakt aufgenommen werden, um sicherzustellen, dass geeignete Umkleideräume für Schüle*innen aller Geschlechtsidentitäten vorhanden sind.  

Sportzeug
Geschlechtsneutrale Trainingsanzüge, T-Shirts, Shorts und Sportschuhe sollten während der Teilnahme am Sportunterricht getragen werden. Beim Schwimmen sollte schwimmspezifische Kleidung getragen werden.

Sportunterricht (Sekundarschule): Bei Bedarf können alle Schüler*innen mit ihrer Sportlehrkraft auf der Basis der zur Verfügung stehenden Umkleiden absprechen, wie ihre Umkleidebedürfnisse berücksichtigt werden können. Weiterhin sollte die Gruppierung im Sportunterricht unabhängig vom Geschlecht der Schüler*innen stattfinden. Alle Schüler*innen können bei Bedarf jederzeit die Gruppen wechseln. Wo eine unterschiedliche Bewertung nach Geschlecht vorgesehen ist, wird im Regelfall die empfohlene Bewertungstabelle für das im Ausweis eingetragene Geschlecht verwendet. Sobald Schüler*innen ihren Vornamen und/oder ihr Geschlecht für den schulinternen Gebrauch geändert haben, kann auch die von den Schüler*innen gewünschte Tabelle verwendet werden. 

Gruppeneinteilung nach Geschlecht: Von Gruppeneinteilungen nach Geschlecht sollte grundsätzlich abgesehen werden, da dadurch oft Rollenklischees verstärkt werden. Sollte eine Gruppeneinteilung in Mädchen- und Jungen-Gruppen unumgänglich sein, sollte mit intergeschlechtlichen, transgeschlechtlichen und nicht-binären Schüler*innen im Vorfeld abgeklärt werden, welcher Gruppe sie sich zuordnen wollen. Alternativ kann auch grundsätzlich eine dritte Gruppe angeboten werden für alle Schüler*innen, die in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe arbeiten wollen.

Toiletten: Jedes Gebäude der NMS hat mindestens eine geschlechtsneutrale Toilette. Intergeschlechtliche Schüler*innen dürfen jederzeit die geschlechtergetrennten Toiletten benutzen, auf denen sie sich am wohlsten fühlen. Transgeschlechtliche und nicht-binäre Schüler*innen dürfen dies, sobald sie ihren Vornamen und/oder ihr Geschlecht für den schulinternen Gebrauch geändert haben. 

Klassenfahrt: Mit intergeschlechtlichen, transgeschlechtlichen und/oder nicht-binären Schüler*innen sollte im Vorfeld geklärt werden, mit wem sie in einem Zimmer übernachten möchten und ob eine abschließbare Einzeldusche sowie eine geschlechtsneutrale Toilette benötigt werden. Falls es theoretisch möglich ist, dass in der gewünschten Zimmer-Konstellation eine Schwangerschaft zustande kommen könnte, sollte bei Schüler*innen unter 16 das Einverständnis der Erziehungsberechtigten aller beteiligten Schüler*innen vor der Klassenfahrt eingeholt werden. Sollten intergeschlechtliche, transgeschlechtliche und/oder nicht-binäre Schüler*innen ein gemischtgeschlechtliches Zimmer, eine abschließbare Einzeldusche und/oder eine geschlechtsneutrale Toilette benötigen, muss deren Vorhandensein im Vorfeld mit der Unterkunft abgeklärt werden und gegebenenfalls eine inklusivere Unterkunft gesucht werden. Wenn in der Unterkunft ein Einzelzimmer verfügbar ist, kann dies intergeschlechtlichen, transgeschlechtlichen und/oder nicht-binären Schüler*innen angeboten werden, sie dürfen jedoch nicht gezwungen werden, gegen ihren Willen in einem Einzelzimmer zu übernachten.

Schimpfworte: LSBTQIA+ feindliche Schimpfworte sowie die Verwendung des Wortes “schwul” als Schimpfwort werden an der NMS nicht geduldet und von den Lehrkräften nach Möglichkeit unterbunden.

Bezüge:
Rahmenlehrplan Teil B: Fachübergreifende Kompetenzentwicklung
Berliner Landes-Antidiskriminierungsgesetz
Schlau NRW: Trans* und Schule: Infobroschüre für die Begleitung von trans* Jugendlichen im Kontext Schule in NRW

Der Leitfaden ist hier


NMS empfiehlt: Ein Bücher-Regenbogen
Du willst mehr gute Bücher mit queeren Charakteren lesen? Oder mit Charakteren of Color? Wie wär's mit queeren Charakteren of Color? Jüdischen Charakteren aus der Arbeiterklasse? Feministischen Charakteren mit Behinderungen? Weißt du, wo du suchen musst, wenn du die Bücher finden willst, die dich interessieren? 

Wirf mal einen Blick auf diese Liste von Büchern, in denen mindestens eine Perspektive vorkommt, die in der Gesellschaft und auf dem Büchermarkt oft marginalisiert wird, und die mindestens eine Person aus dem Kreis der NMS gerne gelesen hat. Sie enthält nicht nur Bücher aus vielen verschiedenen Perspektiven, sondern auch Bücher verschiedener Genres, aus verschiedenen geografischen Regionen, in verschiedenen Sprachen (bisher allerdings nur Englisch und Deutsch) und für Leser*innen unterschiedlichen Alters. Ihr könnt sogar einige dieser Bücher in einer unserer Schulbibliotheken ausleihen! Die Liste kann über die Suchfunktion in Google docs durchsucht werden, und als Bonus enthält das Dokument auch eine #OwnVoices-Liste mit Büchern speziell von schwarzen Autor*innen, die die Bibliothekar*innen der Grundschule für den Black History Month zusammengestellt haben.

Kai Linke
NMS Lehrer


29.06.2022 Nelson-Mandela-Schule · Staatliche Internationale Schule Berlin | Nelson Mandela School · State International School Berlin