
Nicht jeden Tag geschieht es, dass eine potenzielle Nobelpreisträgerin in die Aula unserer Schule kommt, um verschiedene Passagen aus einem ihrer Werke vorzulesen. So war der Besuch von Jenny Erpenbeck am 16.3.2026 etwas ganz Besonderes, da Jenny Erpenbeck auch nur sehr wenige Schulen besucht, um aus ihrem Roman Heimsuchung zu lesen, der dieses Jahr Abiturlektüre war, und über die Entstehungsgeschichte des Romans zu erzählen. Schüler:innen des dreizehnten Jahrgangs moderierten die Lesung und regten zu Diskussionen an. Im Publikum saßen neben den Schüler:innen des zwölften und dreizehnten Jahrgangs der Nelson-Mandela-Schule auch Abiturient:innen des Schiller-Gymnasiums.
Heimsuchung handelt von der Geschichte eines Hauses am Scharmützelsee. Im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts wechselten oft seine Eigentümer, dadurch erlebten die Bewohner:innen die Weimarer Republik, den Ersten und Zweiten Weltkrieg, die NS-Zeit und die DDR. Im Roman verarbeitet Jenny Erpenbeck auch ihre eigenen Kindheitserinnerungen an das Haus und den Verlust desselben durch die Restitutionsgesetze nach 1990. Prägnante Themen des Romans sind Flucht und Vertreibung sowie Zeit und Raum. Aus dem Roman las Jenny Erpenbeck Auszüge aus den Kapiteln „Der Tuchfabrikant“ und „Das Mädchen“. Sie sprach über die autobiografischen Details des Hauses sowie das Erlebnis, das sie beim Schreiben hatte, und dass sie oft, nachdem sie das Haus verloren hatte, von dem Haus geträumt hat. Ein Aspekt, der ausführlich besprochen wurde, war der Grund, warum sie den Roman Doris Kaplan gewidmet hat. Kaplan war ein junges, jüdisches Mädchen, über das sie im Laufe ihrer Recherchen viel gelesen hat. Im Roman steht es stellvertretend für die eigentlichen, vertriebenen Besitzer des Hauses. So ist das Haus nicht nur ein idyllischer Rückzugsort, sondern auch ein Ort mit einer dunklen Vergangenheit. Denn nachdem Kaplan mit ihrer Mutter in das Warschauer Ghetto deportiert worden war, verloren sich alle Spuren. Der Roman hat also in vielerlei Hinsicht reale Ausgangspunkte, die dann von Jenny Erpenbeck ausgestaltet wurden.
Abschließend war es für alle Anwesenden sehr wertvoll, dass Jenny Erpenbeck die Romane der Schüler:innen signierte und sich auch mit ihnen fotografieren ließ.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei unserem Förderverein, der diese eindrucksvolle Veranstaltung für uns großzügig finanziert hat.