Vom 21. bis 25. Januar 2026 trafen sich 18 Schüler der Klasse 9d der Nelson-Mandela-Schule aus Berlin mit 20 Schülern aus verschiedenen 8. Klassen der Szkoła Podst. Nr 8 im. Kawalerów Orderu Uśmiechu w Świdnicy auf Schloss Morawa/Polen, um gemeinsam an dem vor Jahren von unserem ehemaligen Sozialpädagogen Bernard Szulc ins Leben gerufenen Projekt „Memories for the Future“ zu arbeiten.
Die Zielsetzung des alljährlich stattfindenden Projekts besteht darin, Geschichte über Landesgrenzen hinweg gemeinsam zu reflektieren, aktuelle Ängste, Sorgen, aber auch Hoffnungen zu benennen und miteinander zu teilen sowie sich gegenseitig darin zu bestärken, den Mut aufzubringen, Initiativen für eine bessere Zukunft zu ergreifen.
Für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit besuchten die Schüler gemeinsam das Konzentrationslager Groß-Rosen. Für die meisten Schüler war dies der erste Besuch eines KZs und sie waren sichtlich ergriffen von dem einleitenden Film und der anschließenden Führung. In einer Schweigeminute gedachten wir der Opfer und legten an der Gedenkstätte Blumen nieder.
Zur „Auflockerung“ statteten wir der Partnerschule einen Besuch ab und wurden von der Schulleiterin sehr herzlich bei Tee und Kuchen begrüßt. Die Schüler erkundeten im Anschluss in gemischten Kleingruppen die Kleinstadt Świdnica. Auf dem Rückweg machten wir Halt am Gut Kreisau, wo die Schüler Informationen über die Mitglieder und die Zielsetzung des „Kreisauer Kreises“ erhielten.
Am Abend gab es eine Feedback-Runde, um die Erlebnisse des Tages miteinander zu teilen. In kleineren Gruppen tauschten sich die Schüler untereinander sehr emotional über ihre Eindrücke, Gefühle und Sorgen für die Zukunft aus.
Groß-Rosen und Kreisau dienten als Auftakt für die nun folgende Vertiefung der Thematik seitens der Schüler. In gemischten Kleingruppen beschäftigten sie sich mittels Internetrecherche mit einigen der von den Nazis verfolgten, deportierten und getöteten Personengruppen: Juden, Sinti &Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Pfarrer/Priester/Theologen. Die Ergebnisse der Recherche wurden dann dem Plenum in Gruppenvorträgen präsentiert.
Der Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit war aber das Treffen mit Frau Melitta Sallai, deren Familie das Schloss einst gehörte und die nach einem ereignisreichen Leben u.a. in Portugal, Frankreich und Angola 1992 auf das Schloss zurückkehrte und sich als Zeitzeugin für die deutsch-polnische Stiftung „Hl. Hedwig“ engagiert. In ihren Erzählungen wird die Vergangenheit lebendig und ihre Antwort auf die Frage einer Schülerin, welchen Rat sie der jungen Generation mitgeben würde, lautete: „Habt Mut und engagiert euch!“.
Der zweite Teil des Projektes war der Auseinandersetzung mit den Problemen der Gegenwart und der Formulierung von Änderungswünschen und Entwicklung von Perspektiven für die Zukunft gewidmet.
Die Aufforderung von Frau Melitta („Habt Mut!“) noch im Ohr, schlossen sich die Schüler wieder in Kleingruppen zusammen und erarbeiteten Themen wie: „Die Zunahme rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien in Europa, speziell in Deutschland und Polen“, „Die Zielsetzung linksextremistischer Gruppierungen wie der `Vulkangruppe´ (die den Stromausfall in Berlin zu verantworten hat)“; „Feminismus in Deutschland und Polen“, „Frauenrechte in Afghanistan, Deutschland und Polen“, „Schönheitsideale, die von den sozialen Medien gepusht werden“, „Altersspezifische Stereotypen von Jungen + Mädchen in Deutschland und Polen“.
Die Ergebnisse wurden inhaltlich überzeugend und zum Teil sehr kreativ in Form von witzigen Illustrationen oder Sketchen dem Plenum dargeboten.
Bemerkenswert war, dass die Jugendlichen sehr klar benennen konnten, wie sie sich eine bessere Zukunft vorstellen könnten, und sich fragten, warum Politiker sich nicht auch von Jugendlichen beraten lassen.
Neben der Arbeit gab es auch ausreichend Zeit für private Zusammenkünfte. Der krönende Abschluss dieser vier gemeinsamen Tage war die Disco am letzten Abend, nach der viele private Handynummern ausgetauscht wurden.
Wir danken dem deutsch-polnischen Jugendwerk, das einen Großteil der Reisekosten übernommen hat, und der Fundacja św. Jadwigi für die finanzielle und organisatorische Unterstützung dieses so wichtigen und erfolgreichen Projekts.